Beim mit 2,79 Mio. Euro dotierten ATP-500-Turnier in der Wiener Stadthalle kam es im Achtelfinale zu einem emotionalen Duell zwischen den beiden seit Kindheitstagen befreundeten Italienern Flavio Cobolli (ATP-6.) und Matteo Berrettini (ATP-48.). Die Begegnung endete jedoch nicht sportlich, sondern durch eine verletzungsbedingte Aufgabe beim Stand von 2:5 im ersten Satz.
Zunächst konnte er noch ohne sichtbare Einschränkungen agieren. Berrettini ging zu seinem Landsmann, tröstete ihn, beide lagen sich in den Armen und der Routinier packte sogar die Sachen für seinen Gegner ein, während die Fans applaudierten. Schließlich verließ Cobolli unter Applaus den Centre Court der Wiener Stadthalle.
Viertelfinal-Einzug und nächste Aufgaben
Durch die Aufgabe von Cobolli zog Matteo Berrettini kampflos in das Viertelfinale ein. Dort trifft der 30-jährige Römer, der von Kapitän Filippo Volandri zunächst nicht nominiert worden war, nun auf den an Nummer fünf gesetzten Australier Alex de Minaur (ATP-10.).
Für Cobolli kommt der Rückschlag zur Unzeit. Berrettini äußerte sich nach dem Match tief betroffen und hofft, dass sein langjähriger Weggefährte vor Turin zurückkehren kann.
Emotionen und historische Veränderungen in Wien
Das Turnier in Wien bot zuvor bereits andere emotionale Momente. So gab es Tränen bei Alexander Zverev, gegen den Cobolli im Finale von Paris verloren hatte, allerdings aus erfreulichen Gründen, da der Deutsche nach dem Erreichen des ersten Platzes der Weltrangliste ab Montag erstmals in seiner Karriere ganz oben steht. Kurz vor dem Match hatte Cobolli in den Katakomben noch beste Laune und Zverev innig umarmt.
Berrettini zeigte sich nach dem Vorfall tief berührt von der Situation seines Kumpels, mit dem er gemeinsam in Rom aufgewachsen ist: Es tut mir so leid für ihn. Ich war auch sehr oft an seiner Stelle. Es geht mir auch nah.
Der sechs Jahre ältere Berrettini fügte hinzu: Ich weiß, wie hart es ist und wie sehr man weitermachen möchte. Ich weiß, dass er unbedingt nach Turin will zu den besten Acht. Das Letzte, was man so kurz vorher will, ist, sich einige Wochen davor zu verletzen. Ich hoffe, es ist nicht zu schlimm.

Berrettini blickte zudem auf ihre gemeinsame Vergangenheit zurück: Es war eigentlich der Plan, die gemeinsame Reise zweier Jungs aus Rom zu feiern. Ich erinnere mich an ihn seitdem er ganz klein war. Ich weiß genau, an welchem Tag er sich gegen Fußball und für Tennis entschieden hat. Ich sehe seine Augen von damals noch vor mir. Genau diese Begeisterung hat er immer noch in seinen Augen.
Abschließend betonte er: Er verdient es, so eine tolle Karriere zu haben. Ich versuche, ihm bestmöglich zu helfen.
Er ging danach kurz auf den Platz und machte in Richtung des Publikums eine entschuldigende Geste, verließ daraufhin den Platz.