Knapp zwei Monate nach seiner Freistellung als Schweizer Eishockey-Nationaltrainer hat sich Patrick Fischer in einem ausführlichen Interview erstmals zu der gefälschten Covid-Zertifikatsaffäre geäussert, die seine langjährige Amtszeit beendete. In dem auf YouTube veröffentlichten Gespräch mit Peter Röthlisberger räumte der Ex-Nati-Coach ein, dass er mit einem gefälschten Nachweis nicht hätte einreisen dürfen und seine Vorbildfunktion verletzt habe, wie unter anderem das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtete.
Hintergrund der Affäre um die Olympischen Spiele 2022
Die Affäre ihren Ursprung im Jahr 2022, als eine SRF-Recherche im April 2026 aufdeckte, dass Patrick Fischer mit einem gefälschten Impfnachweis zu den Olympischen Winterspielen nach Peking gereist war. Bereits im Jahr 2023 war Fischer deswegen wegen Urkundenfälschung zu einer unbedingten Geldstrafe von 38’910 Franken verurteilt worden, wie SRF berichtete. Der Schweizerische Eishockeyverband hatte zunächst an seinem Trainer festgehalten, zog nach dem Bekanntwerden im Frühjahr 2026 jedoch die Reissleine und trennte sich per sofort von ihm.
Im Interview mit Peter Röthlisberger erklärte Fischer, er habe bewusst mit einer Stellungnahme gewartet, um während der Weltmeisterschaft Ruhe um die Mannschaft zu wahren. Vor den Spielen in Peking stand er vor der Wahl, entweder ein gültiges Zertifikat vorzuweisen oder die vorgeschriebenen Quarantänebestimmungen einzuhalten. Eine Isolierung hätte eine ordnungsgemässe Vorbereitung der Nationalmannschaft verunmöglicht. «Wäre ich ein Einzelsportler, wäre für mich klar gewesen, dass ich in Quarantäne und nicht nach China gehe», sagte Fischer laut den Berichten.
Vertragsklauseln und finanzielle Druckszenarien
Fischer schilderte im Gespräch zudem die vertraglichen Rahmenbedingungen, die im Herbst 2021 bestanden. Demnach hatte ihm der Schweizerische Eishockeyverband einen Kontrakt mit einer Covid-Klausel vorgelegt. Diese verpflichtete ihn zur vollständigen Wahrnehmung sämtlicher Termine als Nationaltrainer. Hätte er Turniere wegen Quarantänebestimmungen verpasst, wären laut Fischer finanzielle Sanktionen in der Grössenordnung von über einer halben Million Franken fällig geworden.
Rückblickend bewertete Fischer sein Handeln kritisch: «Rückblickend wäre es richtig gewesen, den Vertrag nicht zu unterschreiben und die Folgen einer zweiwöchigen Quarantäne zu tragen.» Das gesundheitliche Risiko stufte er wegen der täglichen Testungen innerhalb der Delegation zwar als überschaubar ein, betonte jedoch klipp und klar: «Ich hätte als Nationalcoach nicht mit einem gefälschten Zertifikat einreisen dürfen.» Auf die Frage, ob er damit seine Vorbildfunktion verletzt habe, antwortete er direkt: «Definitiv, da gibt es nichts schönzureden.»
Auseinandersetzung über den Medienkontakt mit SRF
Neben den Ereignissen in Peking äußerte sich Fischer im Interview auch kritisch zum Vorgehen von SRF bei der Aufdeckung der Affäre. Laut seiner Darstellung habe das entscheidende Gespräch im Rahmen eines Mittagessens mit vertraulichem Charakter stattgefunden. Er verwies dabei auf eine E-Mail des beteiligten Journalisten, in der von einem Off-the-Record-Gespräch die Rede gewesen sei.

SRF wies diesen Vorwurf im Anschluss zurück. Das Medium hielt an seiner bisherigen Darstellung fest und erklärte, die Aussagen seien während eines offiziellen Drehtages für ein Porträt gefallen. Vor dem betreffenden Gespräch habe keine explizite Off-the-Record-Vereinbarung existiert, da eine solche stets vorgängig und von beiden Seiten ausdrücklich getroffen werden müsse. Gleichzeitig betonte Fischer im Gespräch mit Röthlisberger, dass er den Sender SRF trotz der Meinungsverschiedenheiten niemals rechtlich belangen oder verklagen werde.
Nächste Schritte und Zukunftsperspektiven
Nach dem abrupten Ende seiner langjährigen Ära an der Bande der Schweizer Nationalmannschaft richtet sich der Blick des Trainers nun nach vorne. Ungeachtet der juristischen und medialen Nachwehen der Affäre hat Fischer die Arbeit an neuen sportlichen Projekten aufgenommen, wie Schweizer Sportportale berichten.
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