Prozess um Flucht des Wirecard-Managers: Er half Jan Marsalek, und geht doch als freier Mann
In Wiener Neustadt endete am Freitag der Prozess gegen Thomas Schellenbacher mit einem Freispruch. Der 61-jährige ehemalige FPÖ-Politiker und Ziviltechniker wurde von der Anklage der Fluchthilfe freigesprochen. Das Urteil fiel nach weniger als fünf Stunden Verhandlung am Landesgericht Wiener Neustadt.
Schellenbacher stand im Zentrum des Falls wegen seiner Rolle bei der Organisation des Fluchtflugs des mutmaßlichen Milliardenbetrügers Jan Marsalek am 19. Juni 2020. An diesem Tag hob ein Privatjet vom Flugplatz Bad Vöslau ab, etwa 20 Kilometer südlich von Wien, mit Marsalek als einz Passagier neben den beiden Piloten. Das Ziel war Minsk in Belarus.
Jan Marsalek, einst Chief Operating Officer beim deutschen Finanzdienstleister Wirecard, gilt als zentrale Figur im Wirecard-Skandal. Nach dem Kollaps des Unternehmens im Juni 2020 tauchte er unter und wurde zum meistgesuchten Mann Europas. Ein internationaler Haftbefehl liegt gegen ihn vor wegen des Vorwurfs der systematischen Betrugs und Täuschung von Investoren und Kunden.
Während des Prozesses betonte Schellenbacher, er habe nichts von Marsaleks kriminellem Hintergrund gewusst. Die Richterin folgte dieser Darstellung und sprach ihn frei. Die Sitzreihen im Schwurgerichtssaal waren dabei nahezu leer – nur drei Journalisten verfolgten die Verhandlung.
Der Fall wirft erneut Licht auf das internationale Netzwerk, in dem Marsalek angeblich verstrickt ist. Laut aktuellen Berichten soll er mit einem milliardenschweren Geldwäschesystem verbunden sein, das Kriminelle, russische Oligarchen und Geheimdienststrukturen vereint. Insbesondere wird ein Spionagering in Bulgarien genannt, der über solche Netzwerke finanziert worden sein soll.
Marsalek selbst lebt nachweislich seit seiner Flucht in Moskau. Dort wurde er zuletzt im Juli 2025 bei einem Spaziergang über die Trubnaya Square gesehen, entspannt und in Begleitung seiner Freundin Tatiana Spiridonova, einer türkischen Sprachübersetzerin am Moskauer Flughafen. Beide sollen mittlerweile gemeinsam für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB tätig sein.
Der Freispruch für Schellenbacher beendet ein juristisches Kapitel, das seit prompt sechs Jahren beschäftigt. Doch die Fragen um Marsaleks Verbleib, seine Netzwerke und die Rolle Österreichs als Transitland bleiben offen. Für Archysport bleibt dieser Fall ein Mahnmal dafür, wie finanzielle Kriminalität, internationale Fluchtrouten und geopolitische Verflechtungen eng miteinander verwoben sein können – weit abseits des Sportplatzes, doch mit Lehren, die auch dort nachhallen.
Weiterentwicklungen in diesem Fall sind derzeit nicht absehbar. Solange Marsalek untergetaucht bleibt und internationale Fahndungsversuche erfolglos verlaufen, wird der Wirecard-Skandal wohl weiter als eines der größten Finanzverbrechen der jüngeren Geschichte gelten.
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