Die Spieler der Veolia Towers standen im Kreis. In der Mitte machte LJ Thorpe ein Freudentänzchen. Dann machte sich die Mannschaft auf eine fröhliche Ehrenrunde. Hamburgs Basketballer gewannen im EuroCup mit 99:96 (55:50) gegen den polnischen Rekordmeister Breslau und holten damit wettbewerbsübergreifend den vierten Sieg in Folge. Was für eine Wendung! Denn bis in den Dezember hinein hatten die Türme saisonübergreifend 24 Partien in Folge verklatscht.
„Wir haben viel durchgemacht, um an diesem Punkt zu sein“, strahlte Aufbauspieler Thorpe. Inzwischen sind die Türme im zweithöchsten europäischen Wettbewerb konkurrenzfähig. Auch wenn trotz des Erfolgs feststeht, dass sie die Saison als Letzter in Gruppe A beenden werden. Doch das war den überwiegend jungen Fans in der Halle egal …
Die Towers (1410 Mitglieder) sind in den letzten Jahren stetig zum sechstgrößten Basketball-Verein in Deutschland herangewachsen. In ihrem drittletzten EuroCup-Spiel der Saison hatten sie 500 Kids und Jugendliche davon als Motivationshilfe eingeladen. Und die sorgten für ohrenbetäubende Stimmung, obwohl es sportlich um nichts mehr ging.
EuroCup: Hamburg Towers holen gegen Slask Wroclaw den vierten Sieg in Folge
Dabei half auch der Spielverlauf. Denn die Gastgeber erwischten einen guten Start – allen voran Osaro Rich. Der einzige Hamburger im Team sorgte für die ersten sieben Punkte. Dann übernahm Thorpe, der in den ersten 20 Minuten alle seine 14 Punkte machte. Das ganze Team rannte, dominierte unter den Brettern und führte verdient mit bis zu zwölf Punkten (31:19). Doch dann ging offensiv die Struktur verloren. Und weil auch die Defensive schwächelte, gewann der Tabellenführer der polnischen Liga das zweite Viertel mit 28:24.
Nach der Pause machte Breslau weiter Druck, aber die Towers zeigten Widerstandsfähigkeit, passten auf den Ball auf („nur“ 11 Turnover) und verteidigten ihre knappe Führung.
„Phasenweise haben wir sehr gut gespielt, aber nicht über das gesamte Spiel“, sagte Trainer Benka Barloschky. „Und mit unseret Defensivleistung war ich nicht wirklich zufrieden. Wir haben zu lange einfach nur Körbe getauscht. Das ist nicht das, wie wir spielen wollen. Aber am Ende haben wir die wichtigen Punkte gemacht.“ Aufbau-Wusel Ross Williams erwischte einen gebrauchten Abend, war aber in der Crunchtime zur Stelle und verwandelte drei wichtige Dreier.
Dazu kam Zehntelsekunden-Glück!
Die verrückte Szene: Am Ende des dritten Viertels hatte Breslaus Angel Nunez den Ball mit 0,1 Sekunden auf der Uhr in den Korb der Towers befördert. Zunächst standen die beiden Punkte auch auf der Anzeigetafel. Doch als das vierte Viertel begann, waren sie plötzlich wieder verschwunden! Grund: Die Schiedsrichter-Crew hatte sich die Szene noch einmal angeschaut und entschieden, dass die Spiel-Uhr doch schon abgelaufen war.
Bester Hamburger war erneut Devon Daniels. Der Namensvetter einer Superhelden-Figur der „Power Rangers“ stelltemit 26 Punkten eine neue persönliche Bestleistung auf. „Er ist voll fokussiert, er geht super vorbereitet in die Spiele“, lobte Trainer Benka Barloschky. „Und er ist einer der Spieler, mit denen ich in meiner Karriere bisher zusammengearbeitet habe, der sich am meisten mit Basketball auseinandersetzt. Der unglaublich den Gegner analysiert! Damit macht er wett, dass er nicht der super explosive und athletische Spieler ist. Und ist gerade sehr, sehr effektiv und tut der Mannschaft gut.“
Im Abstiegskampf in der BBL geht es Samstag gegen den Erzrivalen Niners Chemnitz weiter (20 Uhr, Dyn).