Von der Russin zur Österreicherin – das sorgte für Aufmerksamkeit!
Anastassija Potapova (24) wechselte wie viele Russinnen im Tennis-Zirkus die Staatsbürgerschaft. Seit 1. Januar spielt sie unter österreichischer Flagge. Bei den Australian Open in Melbourne steht sie zum ersten Mal für ihre neue Heimat auf der ganz großen Bühne. Die Fans in der Alpen-Republik scheinen sie auch schon gut aufzunehmen.
So waren bei ihrem Erstrunden-Sieg gegen die Niederländerin Suzan Lamens (26) rot-weiß-rote Fahnen zu sehen. Potapova emotional: „Als ich die sah, bekam ich auf dem Platz eine leichte Gänsehaut. Es ist ein unglaubliches Gefühl! Ich spüre wirklich die Unterstützung der Menschen. Ich bekomme auch viele Nachrichten aus Österreich und bin sehr stolz darauf, dieses Land jetzt zu vertreten.“
Vorwürfe gegen Potapova
Das war in den vergangenen Wochen nicht immer so. So gab es eine Art Plagiatsvorwurf, den sie auch gar nicht entkräften will. Ihre frühere Landsfrau Daria Kassatkina (28) erhob diesen. Demnach habe Potapova bei der Bekanntgabe ihres Nationenwechsels nahezu dieselben Worte in ihrem Post in den sozialen Netzwerken verwendet wie Kassatkina im vergangenen Jahr, als sie Australierin wurde. Das warfen ihr dann hunderte Leute vor. Potapova ehrlich: „Ich finde daran nichts auszusetzen, denn man kann es nicht besser ausdrücken, als sie es tat. Warum also nicht? Ja, es waren die perfekten Worte. Ich fand es großartig. Wir alle, mein Team und alle anderen auch.“ Darüber gesprochen haben beide nicht. „Das interessiert ja auch niemanden.“
Aber warum gerade Österreich? Ihr Ex-Mann Alexander Shevchenko (25), Tennis-Profi wie sie, wechselte schon vor ihr nach Kasachstan. Doch beide wohnten lange zusammen in Wien, wo Shevchenko bei Günter Bresnik (64) trainierte. „Ich wohne tatsächlich schon seit ein paar Jahren dort. Das ist nicht plötzlich passiert. Ehrlich gesagt haben wir lange an der Einbürgerung gearbeitet“, so Potapova, die auf Platz 55 der Welt nun Österreichs Nummer 1 ist. Ob ihr neuer Freund, der niederländische Tennis-Profi Tallon Griekspoor (29), zu ihr zieht, ist noch offen.
Anastassija Potapova gelangen bislang drei Turniersiege
Dass sie ihr neues Land tatsächlich mag, kann man ihr abnehmen, da sie nicht Hals über Kopf ihre Sachen packte und dorthin zog. „Ich mag Österreich wirklich sehr, und Wien ganz besonders. Ja, es ist wie eine zweite Heimat für mich, wobei es eigentlich jetzt meine erste Heimat ist.“ Bislang trainierte sie in Chimki bei Moskau oder in Dubai.
Wann sie allerdings für Österreich im Billie-Jean-King-Cup spielen darf, ist noch offen. Da müssen die Verbände aus Russland, Österreich und der Weltverband ITF eine Lösung finden. „Wir stehen in Kontakt. Ich spreche persönlich mit dem österreichischen Verband, auch über meinen Agenten. Wir haben ein ziemlich gutes Verhältnis, wenn ich das so sagen darf. Es gibt absolut keine Probleme oder Unstimmigkeiten. Wir arbeiten daran, dass ich spielen kann.“
In Melbourne wird es aber erstmal nicht leichter. Am Mittwoch wartet Emma Raducanu (23), die US-Open-Siegerin von 2021.