Auf dieses Spiel hatten sich eigentlich alle Fans gefreut. Das Zweitliga-Topspiel zwischen Hertha BSC und Herbstmeister Schalke 04 (0:0) ist jedoch nicht die erwartete Fan-Party mit 71 157 Zuschauern. Stattdessen herrscht Friedhofsstimmung, Hertha-Ultras verlassen sogar das Stadion. Grund ist wohl ein Vorfall zwischen Hertha-Fans und der Polizei.
Hertha-Ultras verlassen die Ostkurve
Von Herthas Seite heißt es offiziell: „Es gab vor dem Spiel einen Zwischenfall mit der Polizei und unseren Fans vor der Ostkurve. Hintergründe werden noch ermittelt.“
Laut der Hertha-Fanhilfe sollen mindestens 30 Fans verletzt worden sein – einige sogar schwer. Mehrere Personen hätten sich in die Notaufnahmen begeben müssen.
Als Reaktion stellen die Hertha-Ultras den Support ein – und verlassen nach gut einer Viertelstunde nach und nach das Stadion. Die Ostkurve leert sich. Die aktive Berliner Fanszene rollt die Fahnen gar nicht erst aus, die Schalker packen ihre wieder ein.
Ultra-Protest! Die Ostkurve im Olympiastadion leert sich
Zudem basteln die Hertha-Ultras aus blauen Pappen die Buchstaben „ACAB“, legen das auf die leeren Ränge. ACAB ist ein Kampf-Kürzel der Polizei-Hasser und steht für „All Cops are Bastards“. Laut zu hören sind auch Sprechchöre wie „Alle Bullen sind Schweine“.
Die Buchstaben „ACAB“ prangen groß auf den leeren Fan-Rängen
Auch die Berliner Polizei hat sich inzwischen zum Zwischenfall geäußert, schreibt auf X: „Rund um das heutige Fußballspiel im Olympiastadion kam es bereits vor Spielanpfiff zu gewalttätigen Angriffen einzelner Fangruppen auf unsere Einsatzkräfte. Am Stadioneingang zur Ostkurve sollen Kolleg. nach Beleidigungen von vermummten Fans u.a. mit Absperrgittern beworfen und mit Schlagwerkzeugen attackiert worden sein.“
Und weiter: „Aufgrund der Gewalt- und Bedrohungslage war es zum Schutz der Einsatzkräfte und unbeteiligter Zuschauender notwendig, Pfefferspray gegen größere Gewalttätergruppen einzusetzen. Nach aktuellem Stand wurden 21 Einsatzkräfte und 31 Fans verletzt. “
Schalker Fan-Lager solidarisiert sich
Auch bei Königsblau bleibt es ruhig. Aus dem Schalker Lager verlautet, dass es keinen organisierten Support gebe – Grund sei ein Polizeieinsatz im Heimbereich. Rund 20 000 Schalker Fans sind mitgereist. Auf Social Media berichteten einige, dass es am Einlass nur sehr schleppend vorangegangen sei.
Hertha-Verteidiger Toni Leistner (35/fehlt mit Rot-Sperre) bei Sky in der Halbzeit: „Das ist sehr ärgerlich, dass der Support eingestellt wurde, das wird dem Spiel nicht gerecht. Eigentlich wäre ich in der Kurve gewesen, das wurde aber abgesagt. Anscheinend hat die Polizei überreagiert und über die Stränge geschlagen. Es muss so viel passiert sein, dass die Ultras das Stadion verlassen.“
Zur zweiten Halbzeit nehmen die Schalke-Anhänger die Anfeuerung ihres Teams wieder auf. Nach gut 55 Minuten Spielzeit schallt auch das klassische „HaHoHe“ der Hertha-Fans erstmals durch die Arena.
Topspiel endet torlos
Die beklemmende Stimmung überträgt sich auch auf das Spielfeld. Am Ende trennen sich der Herbstmeister aus Schalke und Aufstiegsaspirant Hertha torlos. Dabei sind die Berliner die etwas aktivere Mannschaft. Winkler (7., 39.) und Cuisance (8., 39., 62.) scheitern aber immer wieder am Schalker Keeper Karius.
Schalkes Timo Becker sagt nach dem Spiel am Sky-Mikro: „Es ist traurig für so ein Topspiel. Ich glaube, ganz Deutschland hat darauf gewartet – was hier abgeht. Es ist als Spieler auf dem Platz auch blöd, wenn man keine Stimmung hat. Muss man aber annehmen. Heute haben wir es nicht wirklich gut angenommen.“