Der deutsche Basketball ist weiter im Aufwind. Unser Nationalteam ist Welt- und Europameister, Spieler wie Dennis Schröder (Sacramento Kings) oder die Wagner-Brüder und Tristan da Silva (alle Orlando Magic) sind Stars in der US-amerikanischen NBA.
Die nächsten Supertalente sind schon im Anflug, sie spielen in der College-Liga NCAA. Ihr Leben dort ist ein komplett anderes als das eines Basketballers in Deutschland.
Im Gespräch mit BILD gibt Johann Grünloh, der im Sommer von Rasta Vechta an die University of Virginia gewechselt war, spannende Einblicke.
Schon allein Weihnachten ist dieses Jahr anders für Grünloh. Zum ersten Mal feiert der Basketballer nicht bei seiner Familie in Löningen im Landkreis Cloppenburg, sondern 6500 Kilometer entfernt in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia.
Die 45.000-Einwohner-Stadt (zur Hälfte Studenten) ist zwar ähnlich groß wie Vechta, aber die „Wahoos“ tragen ihre Heimspiele in einer Arena für 17.000 Zuschauer aus!
„Die Trainings-Facilities sind ein anderes Level hier“, schwärmt der Center. „Im Gebäude der Arena ist die Trainingshalle integriert. Es gibt einen Kraftraum und zwei identische Basketball-Felder für die Männer und die Frauen. In der Mitte ist ein Physio-Bereich. Es gibt Lounges für beide Teams, in denen wir essen können. Das ist wirklich krass.“
Das gilt auch für die Auswärtsreisen. Mit Vechta zuckelte das Riesen-Talent (2,13 Meter) nächtelang im Bus durchs Land. Die Cavaliers jetten durch die NCCA – immer privat, im gecharterten Flieger!
Das Team ist eine der Top-Adressen in den USA, gewann 2019 die nationale Meisterschaft („March Madness“). Und auch diese Saison zählt Virginia nach einem Start mit zehn Siegen und nur einer Niederlage zu den aussichtsreichen Kandidaten.
Großen Anteil daran hat Grünloh, der pro Partie 8,5 Punkte und 7,5 Rebounds beisteuert, sowie 2,9 Würfe blockt! Kein Wunder, dass sein erstes Fazit positiv ausfällt: „Ich bin voll zufrieden mit meinem Start. Es war die richtige Entscheidung, hier rüberzugehen.“
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Anders als in der BBL geht es für ihn auf dem College ausschließlich gegen Gleichaltrige. „Das basketballerische Niveau ist schwer zu vergleichen. Es kommt immer auf die Gegner an. Wenn man gegen schwächere Teams spielt und mit 30 Punkten gewinnt, dann merkt man schon den Unterschied zwischen BBL und College. Aber wenn du gegen Top-Teams spielst, sind da wirklich gute Spieler dabei, die eine gute Karriere machen werden – ob in den USA oder Europa. Die sind dann auch physisch stärker, als ich es erwartet hatte.“
An normalen Trainingstagen verbringt Grünloh gut drei Stunden mit Basketball – mit Kraft-, Video- und Mannschaftstraining. Meistens hängt er dann sogar noch eine Extra-Einheit dran. Dazu läuft für den Nationalspieler an der 1819 von Thomas Jefferson gegründeten Uni das akademische Studium an.
„Als Erstsemester wurden mir ein paar allgemeine Kurse zugeteilt, damit ich ins College-Leben reinfinde“, erzählt Grünloh. Darunter Englisch und Theater. „Für ein festes Fach muss ich mich erst nächstes Jahr entscheiden.“
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Dennoch sind die Bücher immer im Gepäck. „Zwischendurch ist das schon knackig, wenn du zwei, drei Auswärtsspiele in Folge hast und eine ganze Woche nicht da bist“, sagt Grünloh. „Denn du musst die Hausarbeiten trotzdem machen. Wenn du unterwegs neben dem Basketball eine vierseitige Hausarbeit über Dantes Inferno schreiben musst, dann frisst das schon Zeit.“
Der Stress zeigte auch bei Grünloh Wirkung. „Mich hat es gesundheitlich ein bisschen rausgehauen. Ich hatte Probleme mit der Umstellung auf das Essen und habe dann auch noch mit Krankheit gekämpft, bin seit vier Wochen erkältet.“
In der kurzen Weihnachtspause will er darum vor allem eins – sich erholen! „Wir haben nur drei Tage frei, da hätte es sich nicht gelohnt, nach Hause zu fliegen. Weil ich allein bin, hat mich ein Teamkollege zu sich eingeladen. Und am 26. kommt dann meine Freundin aus Deutschland.“