Nur eine Handvoll Nationen ist auf eine mögliche zweite Amtszeit von Donald Trump vorbereitet. Deutschland zählt nicht dazu, und in berlin scheint man sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Tatsächlich könnte unser Land stärker betroffen sein als viele andere. Trump verkörpert das genaue Gegenteil der Prinzipien, die Deutschland über Jahrzehnte geprägt haben und die weiterhin die Grundlage der politischen Elite bilden: die Einbindung in eine globalisierte Wirtschaft, Sicherheit durch internationale Abkommen (einst auch durch Abrüstung), freier Handel, Klimaschutz, weltweite Kooperation in fast allen Bereichen und eine offene Haltung gegenüber Migration.
darüber hinaus könnten gesellschaftspolitische konflikte, von Diversität bis zur Meinungsfreiheit, künftig eine größere Rolle in den deutsch-amerikanischen Beziehungen spielen als bisher. Ein Beispiel ist die Regulierung sozialer medien. Selbst eine von der CDU geführte Regierung würde sich seltener mit washington auf einer gemeinsamen ideologischen Linie wiederfinden, obwohl die partei traditionell transatlantisch ausgerichtet ist. Es ist kein Zufall, dass Elon musk die AfD unterstützt – sie ist die einzige Partei in Deutschland, die Trumps Weltanschauung teilt.
Trumps Absichten sind kein Geheimnis. Seine Pläne treffen Deutschland an zwei besonders empfindlichen Punkten. Der erste ist die äußere Sicherheit, die hierzulande noch immer nicht mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit behandelt wird. Sollte Trump mit Putin einen Waffenstillstand in der Ukraine vereinbaren, wäre dies kein Grund zur Entspannung.Im Gegenteil: Deutschland müsste die Ukraine weiterhin unterstützen und gleichzeitig seine militärische Stärke ausbauen,da die Abschreckung Russlands für mindestens eine Generation eine zentrale Aufgabe in Europa bleibt.
Wiederholte Warnungen
Trump hat wiederholt betont, dass Europa mehr Eigeninitiative zeigen muss. Es wäre äußerst fahrlässig, wenn deutsche Politiker erneut
Viele Politiker haben versucht, das Thema zu ignorieren, doch der aktuelle Wahlkampf deutet auf keine positiven Entwicklungen hin. Die Einrichtung des Sondervermögens für die Bundeswehr war zwar unverzichtbar, stellt jedoch lediglich einen ersten Schritt dar. Drei Jahrzehnte der Abrüstung lassen sich nicht einfach durch eine einmalige Investition von 100 Milliarden Euro ausgleichen.
Eine der größten Bedrohungen besteht darin, dass Trump die NATO-Beistandsgarantie an die Erreichung eines erhöhten Ausgabenziels binden könnte.Nicht der Wortlaut von Artikel 5, sondern der klare politische Wille Washingtons, das Bündnisgebiet zu verteidigen, hat bisher sowohl die Sowjetunion als auch Putin in Schach gehalten.Sollte Trump dies erneut in Frage stellen, wäre die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur gefährdet.
Die Zukunft der NATO sichern
Im Gegensatz zu Atommächten wie Frankreich oder Großbritannien, die über eine letzte Abschreckung gegen Russland verfügen, muss Deutschland im eigenen interesse alles tun, um die NATO zu erhalten. Dies wird erhebliche finanzielle Mittel erfordern, die ansonsten lieber in soziale Projekte fließen würden. Die Zeiten, in denen man sich in vermeintlicher moralischer Überlegenheit zurücklehnen konnte, sind jedoch vorbei.Bescheidenheit ist geboten, denn während seiner ersten Amtszeit lag Trump mit seiner Kritik an Nord Stream 2 nicht falsch – Deutschland hingegen schon.
Die größte Schwachstelle Deutschlands ist paradoxerweise das,was einst seine Stärke war. Dass die Exportnation Deutschland Trumps Zollpolitik mit einer geschwächten Wirtschaft konfrontiert, ist nicht nur eine folge des Krieges, sondern auch das Ergebnis struktureller defizite, die durch die aktuelle Regierung teilweise noch verschärft wurden. Fehlentscheidungen in der Energie-, Steuer- und Abgabenpolitik haben das Land anfälliger für die Auswirkungen des wachsenden globalen protektionismus gemacht als andere Industrienationen.Die EU bietet hier nur begrenzten Schutz, da Europa in einem Zollkonflikt mit den USA aufgrund der Bedrohung durch Russland kaum bis zum Äußersten gehen kann. Dies unterscheidet die aktuelle Situation grundlegend von Trumps erster Amtszeit.
Handeln statt Zögern
Die Herausforderungen der neuen globalen realität
Die Entwicklungen der letzten Jahre waren in gewisser Weise vorhersehbar. Dennoch haben Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland lange Zeit verdrängt, dass die Ära Merkel ein Ende gefunden hat und die Welt nun wieder stärker von Interessenkonflikten und Machtspielen geprägt ist. Historisch betrachtet ist dies der natürliche Zustand, nicht die Ausnahme einer vermeintlich „regelbasierten“ Weltordnung. Selbst nach dem Angriff russlands auf die Ukraine fiel es vielen schwer, diese Realität anzuerkennen – die Zeit unter der Führung Bidens wurde nicht effektiv genutzt. Es gelang nicht einmal, verlässliche neue Bündnispartner zu gewinnen, obwohl Deutschland diese in der zunehmend multipolaren Welt dringend benötigt. Das Land hat oft zu wenig zu bieten und seine Vertreter wirken nicht selten arrogant. In dieser Situation bleibt Deutschland keine Alternative: Es muss sich auf Trump einstellen.