Die Ära von Roger Federer prägte den Herrentennis-Sport über zwei Jahrzehnte lang, doch die jüngsten Turniere und Pressekonferenzen im Profizirkus zeigen eine auffällige Lücke: Der Schweizer Maestro, der seine aktive Karriere im September 2022 beim Laver Cup in London beendete, hat im modernen Welttennis kaum noch echte Nachfolger gefunden, die seine legendäre einhändige Rückhand auf absolutem Weltklasse-Niveau spielen. Während Spieler wie sein langjähriger Weggefährte Grigor Dimitrov oder der Schweizer Routinier Stan Wawrinka das ästhetische Schlagmuster weiterhin hochhalten, schrumpft die Zahl der Top-Profis mit einer einhändigen Rückhand im ATP-Tour-Kalender rapide ab.
Der schleichende Rückzug der einhändigen Rückhand im modernen Herrentennis
Statistiken und aktuelle Weltranglisten spiegeln einen tiefgreifenden taktischen Wandel wider. Die zweihändige Rückhand dominiert das professionelle Herrentennis nahezu vollständig, besonders auf den schnellen Hartplätzen der nordamerikanischen Turnier-Serie sowie auf dem traditionellen Rasen von Wimbledon. Die Gründe dafür sind rein physikalischer und strategischer Natur. Moderne Tennis-Schläger, dickere Saitenbespannungen und der extrem topspin-lastige Grundliniendonnerwetter-Stil erfordern eine enorme Stabilität im Treffpunkt, die zwei Hände naturgemäß leichter liefern können als ein einzelner Arm.

Gegner zielen im modernen Return- und Grundlinienspiel gezielt auf die offene Seite der einhändigen Spieler. Profis ohne zweite Hand am Schläger stehen bei gegnerischen Aufschlägen mit hohem Kick oder extremen Winkelbällen vor massiven technischen Herausforderungen. Trotz dieser sportwissenschaftlichen Nachteile blieb Roger Federer seiner einhändigen Rückhand bis zu seinem letzten Karriere-Match im September 2022 treu und nutzte sie als variantenreiches Wagnis aus Slice, schnellem Drive und aggressivem Topspin.
Grigor Dimitrov und das Erbe der alten Schule
Unter den verbliebenen Aktiven der Weltspitze hält der Bulgare Grigor Dimitrov die Fahne für die klassische Technik hoch. Oft mit ästhetischen Parallelen zu Roger Federer verglichen, demonstriert Dimitrov regelmäßig auf der ATP-Tour, wie effektiv die einhändige Rückhand als Offensiv- und Defensivwaffe eingesetzt werden kann. Dennoch beklagen Experten immer wieder, dass im Jugendbereich (ITF Junior Tour) kaum noch Trainer zu finden sind, die jungen Talenten den aufwendigen Schlag beibringen. Die sportliche Ausbildung fokussiert sich weltweit auf Fehlervermeidung und maximale Power, was die zweihändige Variante zur unangefochtenen Norm macht.
Neben Dimitrov und Stan Wawrinka, der mit seiner wuchtigen Rückhand ebenfalls drei Grand-Prix-Titel gewann, gehören Spieler wie Stefanos Tsitsipas und Denis Shapovalov zu den letzten prominenten Vertretern im ATP-Eintrag. Doch der Nachwuchs blickt auf Spieler wie Novak Djokovic, Carlos Alcaraz oder Jannik Sinner – allesamt kompromisslose Vertreter der zweihändigen Rückhand, die das Spiel physisch und taktisch dominieren.
Fehlende Vorbilder im Nachwuchsbereich
Die Transformation des Tennissports zeigt sich besonders in den nationalen Leistungszentren von Verbänden wie dem Deutschen Tennis Bund (DTB) oder der United States Tennis Association (USTA). Jugendtrainer erhalten meist die Vorgabe, Spieler in Richtung maximaler Effizienz und physischer Belastbarkeit auszubilden. Eine einhändige Rückhand verlangt ein perfektes Timing, eine außergewöhnliche Fußarbeit und eine enorme Rumpfmuskulatur, um gegen harte Aufschläge von heutigen Athleten zu bestehen. Fehlen charismatische Vorbilder auf dem Platz wie Roger Federer, sinkt die Bereitschaft von Trainern und Talenten, das Risiko dieses Schlags einzugehen.

Dennoch bleibt die Faszination ungebrochen. Sobald ein Spieler wie Dimitrov oder Tsitsipas mit einer perfekten Cross- oder Longline-Rückhand punktet, feiert das Publikum im Stadion diesen Schlag als Kunstform. Ob die einhändige Rückhand in den kommenden Spielergenerationen komplett von der ATP-Tour verschwindet oder als exklusives Stilmittel überlebt, hängt vor allem davon ab, ob künftige Trainer den Mut aufbringen, jungen Talenten diese technische Nuance zu vermitteln.
Nächste Termine im Turnierkalender
Die Diskussionen um die Zukunft der einhändigen Rückhand begleiten die Profis bei den kommenden Turnieren der ATP Tour. Tennisfans verfolgen die Matches auf dem offiziellen Portal der Association of Tennis Professionals, wo Spielergebnisse, Live-Scores und offizielle Weltranglisten-Updates tagesaktuell veröffentlicht werden.
Hinterlassen Sie Ihre Meinung zur einhändigen Rückhand in den Kommentaren und diskutieren Sie mit anderen Tennisfans über die Zukunft dieser klassischen Schlagtechnik.
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